Die Bürgergesellschaft von heute - Sinn und Zweck

Auch wer gegen den Strom schwimmt, schwimmt im Strom. (Manes Sperber)

Die Bürgergesellschaften oder Bürgervereine sind freiwillige Zusammenschlüsse von Bürgern eines Stadtviertels. Die Gründe dieses Zusammenschlusses sind vielfältig. Sie liegen zum Teil in der Brauchtumspflege, in der Geselligkeit, aber auch in der Wahrung kommunalpolitischer Interessen der Anwohner. Man kann insoweit zwar die Auffassung vertreten, daß dies nicht erforderlich sei, da es eine Reihe von politischen Parteien gibt, andererseits ist jedoch für einen jeden und gerade in Krefeld auffällig, daß diese Parteien bzw. die Politiker in erster Linie die Interessen ihrer Parteiorganisation bzw. gegebenenfalls auch ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen. Dies führt dazu, daß sich in den letzten Jahren zunehmend der Begriff "der fehlenden Bürgernähe" herausgebildet hat. Aufgabe der Bürgergesellschaften und Bürgervereine ist es daher, zunehmend die Interessen der Bürger gegenüber Kommunalpolitikern und Kommunalverwaltung darzulegen. Es ist sicherlich so, daß die Bürgergesellschaften und Bürgervereine von Politikern und der Verwaltung nicht nur belächelt, sondern auch teilweise bewußt getäuscht werden. Gute Beziehungen sind daher, wie die Erfahrung zeigt, nahezu alles.

Gleichwohl sollten sich Bürgergesellschaften und Bürgervereine davor hüten, sich vor allzu enge, persönliche Verflechtungen mit Parteien zu reinen Hilfsorganisationen degradieren zu lassen. Selbst wenn das Ziel, die Bürgerinteressen gegen die wirtschaftlichen Interessen von Verwaltung und Politik durchzusetzen, nur sehr schwer zu erreichen ist, sollte man sich auch durch die zahlreichen Enttäuschungen nicht davon abhalten lassen, die Bürgergesellschaften und Bürgervereine zunehmend als Forum für Interessen der Bürger über Parteigrenzen hinweg heranzubilden. Nur wenn Politik und Verwaltung erkennen, daß die Bürger entgegen deren Interessen zusammenstehen, können auch kommunalpolitische Ziele erreicht werden. Diese Ziele müssen zum einen die Aufwertung des jeweiligen Stadtviertels als Lebensraum aber auch als Stätte der Arbeit sein. Sicherlich ist es schwierig, beide Gesichtspunkte miteinander zu verbinden, aber nur wenn dies erreicht wird, entwickelt sich in den Stadtvierteln Leben, das kulturell und wirtschaftlich allen Bewohnern der angrenzenden Stadtviertel zugute kommt. Insofern sollten möglichst viele Bürger sich ihren Bürgergesellschaften und Bürgervereinen anschließen, denn die Pflege von Brauchtum und Geselligkeit führt automatisch auch zu besserem Verständnis untereinander und zu der Fähigkeit, gemeinsame Interessen des Stadtviertels durchzusetzen.