"Wieder-Anfang"

Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirtschaft (Johann Wolfgang von Goethe)

Daß aller Anfang schwer ist - auch ein "Wieder-Anfang" -, zeigen die Protokolle über die ersten Nachkriegsversammlungen der Bürgergesellschaft Schinkenplatz im Jahr 1952. Unter der Leitung von Leo Koppenburg, der einem vorläufigen Vorstand mit Josef Meiß (2. Vorsitzender), Walter Goertz (Kassierer) und Peter Spemes (Schriftführer) vorstand, sah es die Bürgergesellschaft als vorrangiges Ziel an, den Wiederaufbau der im Viertel zerstörten Häuser sowie die Instandsetzung und Beleuchtung der Straßen und Plätze - insbesondere Schinkenplatz, Albrecht- und Luisenplatz - voranzutreiben.

Für die Bürgergesellschaft brachen bewegte Zeiten an, denn ihre Absicht, so ein Zitat aus der Niederschrift vom 5. August 1952, "den Schinkenplatz als Hochburg des Ostbezirks in seiner Bauweise wieder als Kernpunkt der Stadt Krefeld auferstehen zu lassen", stellte ein mehr als schwieriges Unterfangen dar.

Gesprochen werden mußte mit den im Bezirk ansässigen Geschäftsleuten, um unterschiedlichste Interessen gegeneinander abwägen zu können. Es galt, geeignete Finanzierungspläne für den Wiederaufbau zu entwickeln. Auch mußte der Gefahr der "Billigbauweise" begegnet werden, was intensive Beratungen mit Architekten erforderte.

Der "Wieder-Anfang" rund um den Schinkenplatz gelang. Denn in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Wilhelm Peiner wurden trotz komplizierter Grundstücksregulierungen mit Hilfe des sozialen Wohnungsbaus rund 30 Häuser mit ca. 200 Wohnungen wieder aufgebaut. Daß dieses Vorhaben Anfang der 50er Jahre relativ schnell in die Tat umgesetzt werden konnte, war besonders dem unermüdlichen Einsatz von Leo Koppenburg zu verdanken, dem damaligen 1. Vorsitzenden der BG Schinkenplatz und Ehrenvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine.

Mit der Wiedereröffnung der Gaststätte Olsen am Schinkenplatz kurz vor seinem Tod im Mai 1954 wurde das Bild von "Vater Koppenburg" bzw. "Onkel Lö", wie man ihn liebevoll nannte, in einem Glasfenster der Gaststätte verewigt. (Auch heute noch kann es dort betrachtet werden!) Nur wenige Jahre nach seinem Tod waren die noch verbliebenen größeren Baulücken am Schinkenplatz endgültig geschlossen!

wiederanfang-bild1
Er symbolisiert den "Wieder-Anfang" am eindrucksvollsten: der Phönix; zu sehen in der Mariannenstraße 80-82/Ecke Alte Linner Straße. Das Haus wurde 1953 wieder aufgebaut. (Aufnahme 1998)
 

wiederanfang-bild2
Blick auf die Kreuzung Dreikönigen-/Mariannenstraße (August 1954): Rohbau an der Nordostecke der Kreuzung. Überall im Kronprinzenviertel wird wieder gebaut.
 

wiederanfang-bild3
Der ehemalige Rohbau zwei Jahre später; heute ist dort das Reisebüro "Brück & Stephan".
 

wiederanfang-bild4
Der "Bürgerbräu" der Hausbrauerei Knösels wurde in der Bombennacht völlig zerstört (vorne rechts); im Hintergrund (Bildmitte) der Schinkenplatz; hinten rechts die Friedenskirche (ohne Turm).
 

wiederanfang-bild5
 
Wieder aufgebaut: So sah der ehemalige  "Bürgerbräu" 1956  aus. Heute befindet sich dort - Philadelphia-/Ecke Alte Linner Straße - das Restaurant "New Delhi".