Schinkenplatz 1

Wo es `t am schönste wahl en Kri-ewel?
Belden os drop en ene gro-ete Sti-ewel.
Jo dat es be-i os an dä Schenkeplatz,
Os Stadt Kri-ewel es dat ühre schönste Schatz!
(Schinkenplatz-Büttenmarsch, 1. Strophe)

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Das Olsenhaus an der westseite des Schinkenplatzes 1956. Früher zur Elisabethstraße gehörend hat es heute seine eigene Adresse: Schinkenplatz 1!


Ludwig Erhard gilt bis heute als "Vater des Wirtschaftswunders". Sein Konzept der "Sozialen Marktwirtschaft" leitete in den 50er Jahren einen beispiellosen Aufschwung in der Bundesrepublik ein: "Freß-" und "Reisewelle" sowie eine stark zunehmende Motorisierung zeigten dies eindrucksvoll.

Heute hat jede Großstadt mit einer riesigen Zahl privater Automobile zu kämpfen. Die Innenstadtbewohner sehen daduch ihre Lebensqualität immer mehr schwinden. Zur Erhöhung von Lebensqualität wird neben der Reduzierung des Innenstadtverkehrs die Schaffung von "Ruheplätzen" als geeignetes Konzept angesehen.

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Der Schinkenplatz - in den 50er bis 90er Jahren als Parkplatz mißbraucht...

 
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...ist heute wieder eine Ruhezone. In der Platzmitte steht ein 4.50 Meter hoher Summstein.


Auch unser Schinkenplatz ließ sich in dieses Konzept einbringen. Bereits ab 1956/57 mehr und mehr als Parkplatz genutzt (besser: mißbraucht) - übrigens damals auf ausdrücklichen Wunsch der Bürgergesellschaft -, sollte er nun endlich wieder an alte Zeiten erinnern und ein "Schmuckstück" des Kronprinzenviertels werden. In Absprache mit den zuständigen Politikern versuchte die Bürgergesellschaft eine geeignete, kostenfreundliche Lösung zu finden. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Ansichten darüber klafften mitunter weit aus einander. Ursprungspläne, Alternativ- und Änderungspläne beweisen dies. Immer wieder verzögerte sich die Neugestaltung des Schinkenplatzes. Bis es schließlich Anfang der 90er Jahre der SPD überraschend gelang, so viele Haushaltsmittel aufzutreiben, daß sogar eine kostspieligere Platzgestaltung, mit der sich auch die BG Schinkenplatz einverstanden erklären konnte, möglich wurde.

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Informationstafel - neben dem Summstein im Boden eingelassen: Testen Sie Ihre Organ-Vibration!


Das zwischen dem ehemaligen Olsenhaus und der Westseite des Schinkenplatzes verlaufende Teilstück der Elisabethstraße wurde für den Verkehr gesperrt und dem Schinkenplatz einverleibt. Durch entsprechende bauliche Maßnahmen (Pflasterung, Begrünung) konnte der Platzcharakter erhöht und der Schinkenplatz seinem Anspruch als Ruhezone somit gerecht werden.

Im August 1992 wurde der umgestaltete Schinkenplatz, in dessen Mitte jetzt ein 4,50 Meter hoher Summstein steht, vom damaligen Oberbürgermeister Willi Wahl (SPD) offiziell eingeweiht. Damit sollte knapp 70 Jahre nach Gründung der Bürgergesellschaft der von der Alten Linner Straße begrenzte Schinkenplatz seine ihm gebührende Anerkennung finden und auch offiziell so heißen.

Heute findet man den Schinkenplatz namentlich in allen Stadtplänen und Adreßbüchern genannt. Er - jetzt postalisch erfaßt - zählt zu den Topadressen des Ostbezirks: "Schinkenplatz 1" ist heute die offizielle Adresse des an der Westseite des Schinkenplatzes gelegenen ehemaligen Olsenhauses, das früher zur Elisabethstraße gehörte, eine Tatsache, die die an dieser Entwicklung nicht ganz unbeteiligte Bürgergesellschaft besonders freut!

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Warten auf den Vibrations-Test (v.r.): Josef Kleiner, Herbert Goertz, Pasquale Paciello, Hans-Günter Nichts, Erwin Kohze, Walter Goertz, Klaus Rimroth und - direkt am Summstein - Franz Wilken.


Auch an Albrecht- und Luisenplatz hat sich etwas getan. Besonders der Luisenplatz ähnelt heute wieder seinem historischen Vorbild, denn die Platzneugestaltung erfolgte nach alten Vorlagen.

Die vier herausgearbeiteten Quadranten lassen den Kreuzungsbereich Neue Linner/Luisenstraße wieder deutlich als Platzmitte hervortreten. Ermöglicht wurden diese Arbeiten vor allem durch das finanzielle Engagement der Platzanlieger.

Die Umgestaltungsarbeiten auf dem Albrechtplatz - Schaffung eines neuen Kinderspielplatzes im östlichen sowie Verbannung der Parkplätze aus dem westlichen Platzbereich - weisen den Albrechtplatz nunmehr als sehr kinderfreundlich aus! Bolzplatz (in der Südwest-Ecke) statt Parkplatz ist gerade im Kronprinzenviertel eine Alternative, die sich mit Sicherheit sehen lassen kann! Für diese Art der Platzumgestaltung hat sich besonders die Anfang der 90er Jahre ins Leben gerufene Bürgerinitiative "Platz da!" stark gemacht.

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Linkes Bild: Teile des Luisenplatzes in den 20ern...
Rechtes Bild: ...und heute. (Aufnahme 1998)

 
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Linkes Bild: Der Albrechtplatz mit Brunnen, auf dem Knabe mit Gans tanzt; vor dem 2. weltkrieg aufgenommen - mit Blick auf die Mariannenstraße...
Rechtes Bild: ...und heute (ebenfalls mit Blick auf die Mariannenstraße); im Hintergrund links: die städt. Gemeinschaftsgrundschule Mariannenstraße 29 (früher: Volksschule 22) und rechts: die Schwertstraße. Die drei Häuser neben der Schule sind im Krieg nicht zerstört worden. Ein Vergleich mit dem alten Foto zeigt, daß sie nahezu unverändert geblieben sind. (Aufnahme: 1998)