Der Anfang der Bürgergesellschaft Schinkenplatz

Erkläre mir die Vergangenheit - und ich werde die Zukunft erkennen. (Konfuzius)

Nach dem ersten Weltkrieg wurden vor allem im Rheinland Stimmen rheinischer Separatisten laut, die eine Neugliederung des Reiches forderten. Dahinter stand der Wille zur Gründung einer selbständigen "Rheinischen Republik". Diese Pläne stießen in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe, so daß sich eine "Rheinische Republik" politisch nicht verwirklichen ließ.

der-anfang-bild01
Schinkenplatz um 1900 mit Blick in Richtung Kronprinzenstraße (heute Philadelphiastraße).
Auf dem Platz stand damals ein Getränkehäuschen (Bildmitte). Vorne: Kreuzungsbereich Alte Linner-/Elisabethstraße


Mit der Besetzung des Rheinlandes durch französische und belgische Truppen im Jahr 1923 griffen die Separatisten ihre Pläne von einer selbständigen Republik wieder auf. Ihre Bestrebungen fanden bei den Franzosen rege Unterstützung. Als sich die Bevölkerung diesen neuerlichen Bestrebungen widersetzte, versuchte man mit Gewalt die Staatsgründung durchzusetzen. Ein Söldnerheer sollte für klare Verhältnisse sorgen. Über Aachen und Mönchengladbach rückte man auch in Krefeld ein. Es kam zu zahlreichen Plünderungen von Läden und Geschäften. Das Kronprinzenviertel blieb davon nicht verschont. Polizei und schnell aufgestellte Bürgerwehr waren, obwohl schlecht bewaffnet, zur Gegenwehr bereit. Auch Bürger, die an einem Platz wohnten, der an das Aussehen eines Schinkes denken läßt und daher schon seit langem vom Volksmund "Schinkenplatz" genannt wurde, schlossen sich damals zusammen, um sich in jenen unruhigen "Separatistenzeiten" gegenseitig Schutz und Hilfe bieten zu können. Einer von ihnen war Leo Koppenburg. Man kam sich schnell näher, beschloss zusammenzubleiben und bildete alsbald mit Leo Koppenburg, Peter Sonntag, Josef Hölters, Jean Düx und Alex van gen Hassend den ersten Vorstand. So verwundert es nicht, daß später die Mitglieder das Jahr 1923 als Geburtsjahr ihrer Bürgergesellschaft angesehen haben (und noch ansehen), obwohl die amtliche Eintragung erst am 11. März 1924 erfolgte. Man hörte auf den Volksmund und nannte sich "Bürgergesellschaft Schinkenplatz".

der-anfang-bild02
Der Schinkenplatz (Ende der 20er Jahre) lädt zum Verweilen ein. Vorne links das "Restaurant Wildschrey", das Stammlokal der Bürgergesellschaft in den Vorkriegsjahren. Heute ist dort der "Kreta Grill".
Jeden ersten Montag im Monat trifft sich die BG Schinkenplatz zur Besprechung.