Caruso-Wall

Zum Bummeln lädt es nicht gerade ein! Doch hat es „Atmosphäre" - „Hübsch-häßlich!" würde Pater Brown alias Heinz Rühmann vielleicht dazu sagen - und sein Kopfsteinpflaster könnte beim heutigen Betrachter nostalgische Gefühle wecken: Gemeint ist das mitten im Kronprinzenviertel gelegene schmale Gäßlein zwischen Alte Linner- und Dreikönigenstraße, das die Mariannen- mit der Luisenstraße verbindet.

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war dort die Polsterei Beltz beheimatet. Die lautstark vorgetragenen Arien und Lieder des Firmeninhabers, die dort täglich aus der Werkstatt dröhnten und in der Nachbarschaft nicht ungehört blieben, machten dem seinerzeit weltberühmten Operntenor Enrico Caruso (1873-1921) alle Ehre. So ließ der Gesang des Polsterers einigen Mitgliedern der BG Schinkenplatz schnell einen Namen für das namenlose Gäßlein finden: Caruso-Wall! Man fertigte ein schmuckes Straßenschild an und hängte es für alle sichtbar im Gäßlein auf. Das Schild verschwand spurlos, der Name blieb - bis heute! Und da der Volksmund bekanntlich einen langen Atem hat, bleibt zu hoffen, daß der Caruso-Wall irgendwann einmal auch offiziell so heißen wird.

Diente der Caruso-Wall früher frisch verliebten Zweibeinern als Treffpunkt, wird er heute immer öfter als Bedürfnispromenade für Vierbeiner mißbraucht! So ändern sich die Zeiten: weniger hübsch, mehr häßlich!

caruso-wall
Das namenlose Gäßlein (Volksmund: "Caruso-Wall") - von der Luisenstraße aus betrachtet.
Im Hintergrund die Mariannenstraße. (Aufnahme: 1995)